Einführung in Messiaen’s “Messe de la Pentecôte” (Pfingstmesse) by Peter Krams
by on September 19, 2016 in OLIVIER MESSIAENS PETER KRAMS

I. Zungen von Feuer ließen sich auf einen jeden von ihnen nieder“ (Apostelgeschichte)
Messiaen überträgt geistliche Inhalte in eine ungewohnte, an Spannungsklängen reiche Tonsprache. Er geht nicht mehr von der grundtonbezogenen Dur-Moll-Harmonik aus, sondern von einer allseitig beziehbaren Chromatik der zwölf Halbtöne, ohne jedoch das System der Zwölftontechnik zu übernehmen. Bisher unbekannte Melodiefloskeln und Ausdrucksdissonanzen 004_01_ap_04 bestimmen den Satz, ohne jedoch gänzlich tonale Beziehungen auszuschließen. Alle diese Klangkombinationen dienen der wirkungsvollen Ausdeutung des Zitats der Feuerzungen“ in einer eigenständigen Stilform und klanglichen Vielfalt, die nicht mehr durch unsere alltäglich gewordene Kadenzharmonik ersetzt werden kann. Variable rhythmische Strukturen unterstützen diese kaleidoskopartige Klangpalette anstelle des üblichen Taktschemas (005_01_ap_05) (006_01_ap_06).
So erscheinen gleich zu Beginn – wohl zur Darstellung der Vollkommenheit des Geistes – rhythmische Motive, die sich von vorn und von hinten gespielt gleichen (kurz – lang – lang kurz) (001_01_ap_01). Solche rhythmischen Vollkommenheitssymbole verbinden sich mit unterschiedlichen zugefügten Dauern wie sich auch Gottes Geist den Menschen mitteilt (002_01_ap_02) (003_01_ap_03). Daneben finden Metren aus der antiken Verslehre Verwendung. Eine signalhafte Trompetenstimme kehrt, von Pausen unterbrochen, ostinat wieder (003a_01_ap_03a) und verbindet das abwechslungsreiche dynamische Spiel der Registerklangfarben.

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